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Flurnamen

Aus der Dorfchronik

 

Was uns die Flurnamen in unserer Gemeinde Päwesin-Bagow-Riewend zu berichten wissen.

 

Die Flurnamenforschung ist ein sehr wertvolles Aufgabengebiet das zu siedlungsgeschichtlichen Spuren führt.

In unserer Gemeinde Päwesin und ihren Ortsteilen Bagow -Riewend treffen wir nur auf wenige Eigennamen in der Flurbezeichnung, die vom mittelhochdeutschen oder neuhochdeutschen Sprach -schätz abweichen. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Flurnamen um Päwesin aus neuerer Zeit stammen.

Legt man dabei die alten Flurkarten zugrunde, so erkannt man, dass eine Reihe von Flurbezeichnungen nicht im Einklang mit Sprache und Dialekt Alteingessesener stehen. Das könnte allerdings auch damit zu tun haben, dass durch Besitzerwechsel neue Flurbezeichnungen geschaffen worden waren, die bis zur Gegenwart gültig sind.

Die Flurbezeichnungen um Päwesin kann man den Lageverhältnissen, der Oberflächengestalt, den Besitz- und Nutzungsverhältnissen und der Zustandsform zuordnen.

 

Zu diesen gehören: das Vorderfeld, das Bruch, die Seemathen, der Ziegeleischlag, an der Feldscheune, die Bruchstücken, die Heidepläne, der Eichberg, der Mühlenberg, der Schreiberg, der Wesenberg, der große Steinberg, der kleine Steinberg, der Sommerfeldschlag, der Priesteracker, die Küsterlaake, die Ochsenkoppeln, die Bullenberge der Bummelberg, die Ochsenwiesen, die Ackerbreite, die harten Wiesen und die krummen Wiesen

 

Während die nach dem Lageverhältnis genannten Flurteile leicht deutbar und einzuordnen sind, müssen die nach Oberflächengestalt genannten Fluren, schon etwas eingehender betrachtet werden.

 

Der Eichberg war sicher mit Eichen bestanden.

Der Mühlenberg trug bis 1913 eine Windmühle.

Der Schreiberg hat seinen Namen aus historischer Zeit. Auf seiner Kuppe stand sicher eine Feuerwache. Bei Feuersbrunst verkündete man durch lautes Schreien diese Gefahr.

 

Der Wesenberg bei Päwesin gehört nach Deutung der Deutschen Akademie der Wissenschaften Berlin/Institut für Slawistik, sicher nicht zu dem abstrakten W e s e n, sondern eher zum Begriff "Wese = Wiese", das neben dem Begriff "Wische" in der Mundart gebraucht wird.

 

Die Flurbezeichnungen " kleiner und großer Steinberg " beziehen sich sicher auf die Flächengröße. Da sich diese Fluren aber über die flache und kuppige Grundmoränenlandschaft erstrecken liegt nahe, dass auf dem einen Flurteil größere Stein (Blockmoräne) und auf dem anderen kleineres Geröll abgelagert worden sind. So müssen wir diese Flurbezeichnung schließlich auch der Kategorie "Flurnamen nach Zustandsform" zuordnen.

 

Leicht deutbar sind auch die Flurbezeichnungen nach den Besitzverhältnissen, ebenso die nach dem Nutzungsverhältnis.

Etwas schwieriger ist die Deutung der Flurnamen nach Zustandsform, oder bei denen, die sich nicht in die fünf genannten Kategorien einordnen lassen.

Die "harten Wiesen" werden sicher Wiesen mit hartem Gras (Seggen und Sauergräser), die krummen Wiesen solche auf Sandflächen gewesen sein, auf denen ein sich unter der Sense "krümmendes Gras" befand. Es ist allerdings auch sehr leicht möglich, dass die Krummen Wiesen in Bogenform sich in die Gemarkung einordneten.

 

Es bleiben eine Reihe von Flurnamen zu deuten, die sich nicht ohne weiteres kategorisieren lassen. Die "Worthe" kann als Wiese am Haus gedeutet werden, die Hasellake eine Niederung in der noch heutigentags Haselsträucher vegetieren, der Kuhdamm, eine frühere Trift, die Mehlstücken können von dem Begriff Mulde = Mehle = Backtrog abgeleitet sein, demnach ein in der Mulde liegendes Flurstück.

Das Hörstchen kann auf früheren Waldbestand hindeuten. Die heutige örtliche Lage lassen es aber eher als ein vom Wasser begrenztes, aus der Niederung leicht herausragendes Flurstück erkennen.

 

Die Bohmstücken, ein am Wald gelegenes Flurstück (Boom oder Bohm = Baum

Die Schlagen, dieser Begriff ist sicher von "Schlägen" = große Flächen abgeleitet.

Im Hackbubsbeutel, diese Flurbezeichnung wurde lange Zeit fehlgedeutet, war man doch der Meinung, dass ein früherer Besitzer Hackub für den Flurbegriff herangezogen worden war.

"Hackub" bedeutet aber Schafkäse und es ist nachgewiesen, dass sich dort unweit von der Ansiedlung Vogelgesang eine Schäferei befand.

 

Der Bummelberg konnte seinen Namen von der Erschwernis der Arbeit ableiten, die dort "bummelig" vonstatten gehen musste. Im oberdeutschen Dialekt gilt der Begriff Bummel als Gleichwort für Stier.

Die hintersten Rutschen Ackerfläche, die in der Gemarkung die "hintersten Ruten" darstellten.

 

"Rutschen" ist Verkleinerung für Ruten (eine Rute galt in Preußen als Längenmaß, das

3, 77 m entsprach).

Die Heinigte ist ein Flurstück, auf denen die Weidetiere über Nacht "eingeheinigt" = eingekoppelt wurden

Der Leegebusch bedeutet "niedrig gelegener Busch" Leeg" = mundartlich niedrig

 

 

Aus der Erforschung der Flurnamen und ihre Deutung ist kann man den früheren Wortschatz und siedlungsgeschichtliche Zusammenhänge erkennen. In der Gemeinde Päwesin treffen wir nur vereinzelt auf Eigennamen in den Flurbezeichnungen. Das deutet darauf hin, dass die Flurnamen althergebracht sind, die sich von Eigentümer auf Folgeeigentümer vererbt haben.

Bei einigen Flurbezeichnungen muss man davon ausgehen, dass sie neuen Bedingungen folgend, zu veränderten Bezeichnungen führten, (Beispiel: Ziegeleischlag }

Die Ziegeleien entstanden ja erst im Letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und führten dann erst zu dieser Flurbezeichnung.